PACKIRO Magazin

Deshalb solltest Du auf recycelte Verpackungen setzten – Plastic2Beans im Interview

Plastic2Beans: Der Name der nachhaltigen Kaffeefirma lässt zunächst einmal die Frage aufkommen, wie denn bitte Plastik zu Bohnen werden soll. Klingt im ersten Moment nicht wirklich machbar. Doch falsch gedacht!

Die Vision des Start-Ups Plastic2Beans hat uns sofort fasziniert. Daher haben wir uns mit einem der Gründer, Dr. Kalie-Martin Cheng, unterhalten, um zu erfahren, wie sie es bewerkstelligen einen Kreislauf aus Kunststoffen und Kaffee entstehen zu lassen.

Im Gespräch mit Kalie Cheng von Plastic2Beans


Hallo Kalie! Schön, dass wir die Gelegenheit haben, über das Kaffeebusiness und das Nachhaltigkeitsvorhaben von Plastic2Beans zu quatschen. Magst Du zunächst einmal kurz etwas über Dich als Person erzählen?
Klar, sehr gerne. Ich bin Kalie Cheng, einer der Gründer von Plastic2Beans. Ich habe 2015 meine Promotion in Polymerchemie an der Mathematisch-­Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln abgeschlossen und danach zunächst einmal in einer kleinen Forschungs­ und Entwicklungsfirma gearbeitet.
Beschreib doch einmal in wenigen Worten, was genau Plastic2Beans macht und wie sich dort Kaffee und Nachhaltigkeit vereinen.
Das Ziel von Plastic2Beans besteht darin, gemeinsam mit unseren äthiopischen Partnern die Kunststoffindustrie nachhaltiger zu machen. Moderne Recyclingmethoden ermöglichen es, Kunststoffe bis zu acht Mal wiederzuverwenden. Um auch in Äthiopien die entsprechenden Bedingungen dafür zu schaffen, exportieren wir hochwertige Sekundärkunststoffen in Form von Regranulaten oder Mahlgütern, die vor Ort direkt eingesetzt werden können sowie Recyclingmaschinen. Darüber hinaus fungieren wir als Vermittler von Experten auf dem Gebiet einer nachhaltigen Kunststoffindustrie.
Unser Ziel besteht darin, einen selbst-motivierten Aufbau der äthiopischen Recyclingwirtschaft zu schaffen. Äthiopische Produzenten von Plastikwaren haben durch unsere hochqualitativen Rezyklate eine nachhaltige und günstigere Alternative zu den aktuell ausschließlich importierten Neukunststoffen aus China oder Saudi Arabien. Aufgrund des großen Fremdwährungsmangels, der in Äthiopien herrscht, kann man die Währung Birr nicht so ohne weiteres in Euro tauschen. Den starken Devisenmangel Äthiopiens umgehen wir durch den Verkauf der Rohmaterialien und Maschinen in der lokalen Währung Birr.
Durch den Einkauf von Kaffee, der ebenfalls in Birr erfolgt, wird die Rückführung der Gewinne über einen Warenkreislauf vollzogen. Daher auch unser Name Plastic2Beans. Nachhaltigkeit zeigt sich bei uns nicht in der Entwicklung neuer Technologien, sondern durch mehr Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen.

Wir wollen ein gesellschaftliches und ökologisches Problem wirtschaftlich lösen. Letztlich vereinen sich bei Plastic2Beans Nachhaltigkeit mit dem Kaffeebusiness über eben diesen Kreislauf. Wir haben den Anspruch, dass jeder Aspekt davon nachhaltig sein soll. Aktuell vereinen wir 14 von 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals).

Der Start des Unternehmens


Nun können wir uns ein wenig unter Plastic2Beans vorstellen. Das klingt nach einem wirklich spannenden Projekt. Doch wie ist die Idee eigentlich entstanden? Fasse doch gerne einmal kurz die Geschichte eures Unternehmens zusammen.
Während meiner Elternzeit wurde mir immer bewusster, dass ich gerne in einem Bereich arbeiten möchte, der Nachhaltigkeit vorantreibt. Als ich mit meiner Tochter schwimmen war, fragte mich ein kleiner Junge, ob er sich mal ihre Schwimmflügel ausleihen dürfe. Auf diese Weise kamen der Vater des Jungen, der äthiopische Geschäftsmann Abiye Dagnew, und ich ins Gespräch.

Er ist schon längere Zeit im Bereich Import und Export für kunststoffverarbeitende Maschinen nach Äthiopien tätig. Da es dort an der grundlegenden Technik und dem Know-how fehlt, ist es dort eher unüblich, Plastik systematisch zu recyclen. Diese Begegnung bildete den Startschuss dafür, das Projekt Plastic2Beans ins Leben zu rufen.
Du hast gerade erzählt, dass Kaffee eure Währung ist, mit der ihr den Aufbau des Kunststoffrecyclings in Äthiopien finanziert. Kannst Du ganz kurz skizzieren, wie es aktuell um die Recyclingwirtschaft in dem Land bestellt ist?
Das Thema Kunststoffabfälle ist ein aktuelles und globales Problem. Insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern wächst die Plastikindustrie stark an. Dabei wird die Recyclingquote aber leider oftmals außer Acht gelassen. Von diesem Problem ist unter anderem auch Äthiopien betroffen. Dort gibt es in der Kunststoffindustrie ein jährliches Wachstum von etwa 20%. Bis 2025 ist mindestens eine Verdoppelung des Verbrauchs zu erwarten.

Wird das Thema Recycling weiterhin nicht professionell angegangen, führt dies langfristig zu gravierenden Problemen, da ein nicht-nachwachsender Rohstoff brach und ungenutzt herum liegt. Als Folge wird sich die aktuelle Situation in Südostasien in zehn Jahren nach Äthiopien verschieben. Da ein staatliches Mülltrennungssystem fehlt, wird Recycling dort hauptsächlich informell betrieben.
So verarbeitet in Äthiopien ein gutes Dutzend Recycler-Kunststoffabfälle, die von den einkommensschwächsten Teilen der Bevölkerung von der Straße aufgesammelt werden. Die logische Konsequenz des Ganzen ist, dass die Materialqualitäten der recycelten Kunststoffe durch das fehlende Wissen entsprechend schlecht und gesundheitlich bedenklich sind. Durch die Zusammenarbeit mit uns sollen äthiopische Unternehmen dazu befähigt werden, eigenmotiviert einen Recyclingkreislauf von Kunststoffen aufzubauen.

Das Recycling von PET-Flaschen zu fördern ist dabei der einfachste Weg. Jährlich werden in Äthiopien ca. 3-6 Milliarden PET-Flaschen für Wasser verbraucht, doch aus keiner davon wird in Äthiopien bislang wieder eine Flasche gemacht. Aktuell wird ein Teil der Flaschen zwar gesammelt und geschreddert, aber danach werden sie nach Europa und China exportiert, um dann wieder Neu-PET einzukaufen.

Gutes Recycling findet allerdings erst dann statt, wenn der Kreislauf komplett geschlossen werden kann. Deshalb arbeiten wir in unserem aktuellen Projekt an der ersten PET Bottle-to-Bottle Recyclinganlage in Äthiopien.
Die Bauern erhalten bei euch einen gerechtfertigten Preis. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen verzichtet ihr allerdings bewusst auf das Fair-Trade Siegel. Wieso wollt ihr nicht offensichtlich zeigen, dass es sich bei Plastic2Beans um fair gehandelten Kaffee handelt?
Alle unsere Kaffees wurden ohne Verwendung von Pestiziden biologisch in Waldgärten angebaut, wo die perfekten natürlichen Bedingungen herrschen. Hier gibt es keine Monokulturen, sondern Mischgärten. Kaffeepflanzen stehen neben Mangobäumen und profitieren voneinander. Weiterhin sind Gegenden, in denen eine hohe Niederschlagsmenge auftritt für den Kaffeeanbau besonders geeignet. In Äthiopien beträgt der jährliche Niederschlag in den Anbaugebieten 1800 mm/m² (Deutschland: 1500 mm/m²).

Auf ein Fair-Trade-Siegel verzichten wir bewusst. Dies tun wir einerseits, weil die Zertifizierung Geld kostet, was letztlich der Endverbraucher zu spüren bekommt. Außerdem garantiert dieses Siegel nicht zwangsläufig einen gerechtfertigten Preis für die Bauern und darauf kommt es uns schließlich an. Der Fairtrade Preis für ein Kilogramm Kaffee, den die Bauern erhalten können, liegt bei 2,30 €.

Wir hingegen zahlen an die Kooperativen, mit denen wir zusammenarbeiten 5,50 bis 6,50 €. Durch den direkten Handel - ohne Zwischenhändler - garantieren wir eine bestmögliche Marge für die Kleinbauern und so haben wir uns dazu entschieden, auf das Fairtrade Siegel zu verzichten. Wer nachhaltigen und fair gehandelten Kaffee kaufen möchte, sollte vor allem auf die Rückverfolgbarkeit achten.

Verpackung des Plastic2Beans-Kaffees


Ist der Kaffee aus seinem Ursprungsland Äthiopien einmal nach Deutschland gelangt, muss dieser logischerweise verpackt werden, bevor er an den Konsumenten geht. Uns interessiert es natürlich brennend, wie ihr aktuell euren Kaffee verpackt.
Aktuell verwenden wir für unseren Kaffee Multischicht-Verpackungen. Diese halten zwar sehr gut das Aroma, sind aber leider nicht allzu nachhaltig, was wiederum überhaupt nicht zu unserer Unternehmensphilosophie passt. Für Büros, die in der Regel große Mengen bestellen, liefern wir den Kaffee in Pfandbehältern.

Mit dem Beginn unserer Unternehmensgründung haben wir auch gleichzeitig angefangen, nach nachhaltigen und recycelbaren Verpackungen zu suchen. Dies war aber schwieriger als gedacht. Viele Verpackungsunternehmen werben mit dem Versprechen, recycelbar zu sein. Beschäftigt man sich allerdings tiefgehender mit den verwendeten Materialien, so findet man meist heraus, dass es nicht vollständig recycelbar und nachhaltig ist. PLA ist beispielsweise nicht wirklich kompostierbar.

Umso glücklicher waren wir, schließlich Packiro entdeckt zu haben. Hier haben wir recycelbare Monomaterial Kaffeeverpackungen gefunden, die das Aroma des Inhaltes schützen.

Was ist eurer Meinung nach bei den Verpackungen für Kaffees explizit zu berücksichtigen? Habt ihr besondere Anforderungen an eure Kaffeeverpackungen?
Wir bringen Spitzenkaffee aus Deutschland nach Äthiopien. Da ist es natürlich ganz klar, dass dieses besondere Aroma nicht verfliegen darf. Aus diesem Grund muss die Verpackung Licht und Sauerstoff vom Kaffee fernhalten. Bei Packiro gibt es zwei Varianten, die diese Anforderungen erfüllen.
Wieso spielt eine nachhaltige Verpackung für euch eine so große Rolle?
Unserer Unternehmens-Philosophie entsprechend versuchen wir so nachhaltig wie möglich zu agieren. Dies hört logischerweise bei der Verpackung nicht auf. Zu Beginn einer Unternehmensgründung stehen allerdings so viele verschiedene Themen an, dass man den nachhaltigen Gedanken nicht von Anfang ganzheitlich angehen kann.

Im Falle der Verpackungen war es so, dass wir auf dem Markt zunächst keine adäquate Verpackung gefunden haben. Aus diesem Grund mussten wir zunächst mit Multischicht-Verpackungen vorliebnehmen.

Plastic2Beans und Packiro


Würdest Du sagen, Packiro ist der passende Partner, um euren Ansprüchen an eine Verpackung gerecht zu werden?
Ja, ich würde auf jeden Fall sagen, dass Packiro der passende Partner ist, um unseren Ansprüchen an eine Verpackung gerecht zu werden. Es war ein langer Weg auf der Suche nach einer geeigneten und vor allem nachhaltigen Verpackung für unseren Kaffee. Im Vorfeld haben wir so viele verschiedene Verpackungshersteller herausgesucht, die wir letztlich nicht als passend erachtet haben.

Alle diese Hersteller wollten zwar nachhaltig wirken, waren es aber nicht. Oftmals wird der Eindruck vermittelt, bei Papier handele es sich um eine nachhaltige Verpackung. Doch meist kommen dazu noch verschiedene Beschichtungen, so dass aus einer auf den ersten Blick nachhaltigen Verpackung schnell das Gegenteil wird. Diese geläufige Meinung wird durch die Medien unterstützt. Sie vermitteln den Eindruck, Plastik sei grundsätzlich ein Material, das der Umwelt schade.

Dabei handelt es sich hierbei um einen Irrglauben: sortenreine Kunststoffverpackungen, die eine hohe Recyclingquote vorweisen können, sind die nachhaltigste Einweg-Verpackungsmöglichkeit. Packiro waren die ersten, die wir gefunden haben, die dies berücksichtigen und sich demnach, ebenso wie wir, konsequent Gedanken um Nachhaltigkeit gemacht haben. Dies zeigt sich auch durch die Zusammenarbeit mit dem Recyclingunternehmen Interseroh.

Du möchtest ein eigenes Projekt mit uns starten?

Dann melde Dich gerne bei uns! Wir freuen uns auf Deine Nachricht.


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Ihr vertreibt euren Kaffee aktuell ja eher lokal – denkt ihr eine hochwertige Verpackung würde euch helfen, euer Business zu skalieren?
Definitiv hilft eine hochwertige Verpackung dabei. Denn dies ist schließlich der erste Eindruck, den ein möglicher Kunde von einem Produkt erhält. Unsere allererste Verpackung hat beispielsweise ganz und gar nicht vermittelt, dass es sich bei Plastic2Beans um ein nachhaltiges Unternehmen handelt.

Aktuell liegt unser Fokus auf Bürokaffee. Dabei beliefern wir Großkunden wie beispielsweise Aktion Mensch oder Spies. Um perspektivisch im Lebensmittelhandel wirklich relevant zu werden, ist eine hochwertige Verpackung, wie wir sie nun bei Packiro gefunden haben, absolut notwendig.

Kalie, vielen Dank für Deine Zeit und die Einblicke in euer nachhaltiges Start-Up. 😊